Gruenewald 1924 | Book List

Navigation


 

Hiob / Job / Ijob 31

Job 31:1 "Ich schloß mit meinen Augen einen Bund. Wie sollte ich auf Jungfraun achten?

Job 31:2 Was ist mein Teil von Gott da droben, mein Lohn von dem Allmächtigen im Himmel?

Job 31:3 Wahrhaftig, Unheil, wie's dem Bösewicht gebührt, und Ungemach, das nur für Übeltäter paßt.

Job 31:4 Besieht er denn nicht meine Wege, da er doch alle meine Schritte zählt?"

Job 31:5 "Wenn ich der Falschheit nachgegangen wäre, verweilte auf dem Weg des Truges gern mein Fuß!

Job 31:6 Mit rechter Waage möge Gott mich wägen, und ohne Schuld wird er mich finden!

Job 31:7 Wenn meine Schritte je vom rechten Wege bogen, und wenn mein Herz den Augen folgte, und klebte je ein Makel meinen Händen an,

Job 31:8 dann zehre nur ein anderer von meiner Saat; entwurzelt werde meine Pflanzung!

Job 31:9 Wenn's mich zum fremden Weibe zog, und stellte ich dem Eheweib des Freundes nach,

Job 31:10 dann mahle auch mein Weib für andere, und andere mögen über sie sich beugen!

Job 31:11 Denn dieses wäre eine Schandtat, ein Verbrechen, vom Richter zu bestrafen,

Job 31:12 ein Feuer, das bis zu dem Abgrund fräße und meine Habe all entwurzeln müßte.

Job 31:13 Mißachtete ich meines Sklaven Recht und meiner Magd, wenn sie mit mir im Streite waren,

Job 31:14 was wollte ich da machen, wenn Gott jetzt Rache nähme, und untersuchte er, was ihm erwidern?

Job 31:15 Hat er ihn nicht geformt, im gleichen Schoß wie mich und sie geschaffen in dem gleichen Mutterleibe?

Job 31:16 Versagte ich den Schwachen einen Wunsch und ließ der Witwe Augen schmachten,

Job 31:17 verzehrt' für mich allein ich meinen Bissen, und durfte nicht die Waise mitessen; -

Job 31:18 seit meiner Jugend blickte sie zu mir gleich einem Vater auf, vom Mutterschoß an leitete ich sie, -

Job 31:19 und sah ich einen nackten Bettler und einen Armen hüllenlos,

Job 31:20 wenn seine Hüften keinen Dank mir wußten und er sich nicht von meiner Lämmer Schur erwärmte,

Job 31:21 und schwang ich gegen eine Waise meine Faust, weil ich in dem Gerichtstor Beistand für mich sah,

Job 31:22 dann falle mir die Achsel aus der Schulter, und aus dem Rohr werd' mir der Arm gerissen! -

Job 31:23 Denn fürchterliches Unheil ist meines Gottes Schrecken; vor seiner Hoheit kann ich nicht bestehen.

Job 31:24 Und machte ich zu meinem Götzen Gold und hieß ich Mammon meinen Helfer

Job 31:25 und sonnte mich an meinen Schätzen, daß ich's so weit gebracht,

Job 31:26 und wenn ich das Gestirn erblickte, wann's sichtbar ward, den lieben Mond, wie er des Weges zog,

Job 31:27 und ließ' mein Herz sich insgeheim betören und legte meine Hand zum Kusse sich an meinen Mund:

Job 31:28 auch das wär' ein Vergehn, vom Richter zu bestrafen, weil ich Gott in der Höh' verleugnet hätte.

Job 31:29 Nie freute mich des Feindes Not, und nie frohlockt' ich, wenn ihn Unheil traf.

Job 31:30 Nie gab ich meinen Mund der Sünde hin, um seine Seele zum Verfluchen mir zu fordern.

Job 31:31 In meinem Zelte sagten die Geringsten: 'Ach, möchte er mit seiner Rache unersättlich sein!'

Job 31:32 Kein Fremdling durfte je im Freien nächtigen, und jedem Wandersmann stand meine Türe offen.

Job 31:33 Nie habe ich, wie Adam, meine Missetat verheimlicht, im Busen meine Schuld geborgen,

Job 31:34 weil es mir vor dem Auflauf graute und mich der Sippe Schimpf erschreckte, so daß ich stille mich verhalten und nicht aus meiner Tür gegangen wäre!

Job 31:35 Wer aber hört mich an? Hier meine Unterschrift! Drauf soll mir der Allmächtige erwidern, aufs Schreiben, das als Kläger ich verfaßt!

Job 31:36 Ich trüge einen solchen auf der Schulter und wollt' ihn mir als Diadem aufsetzen.

Job 31:37 Bei jedem meiner Schritte huldigte ich ihm wie einem Fürsten: gleich einem Fürsten träte ich ihm da entgegen.

Job 31:38 Wenn über mich mein Acker schrie und alle seine Furchen weinten

Job 31:39 und ich verzehrte seine Ernte, ohne zu bezahlen, und ließe die, die ihn bebauten, stöhnen,

Job 31:40 dann sollen Disteln statt des Weizens und statt der Gerste Unkraut sprossen!" - Hier enden Jobs Reden.