Gruenewald 1924 | Book List

Navigation


 

Hiob / Job / Ijob 7

Job 7:1 "Ist nicht im Dienst der Mensch auf Erden? Ist nicht sein Los ein Frönerleben?

Job 7:2 Dem Sklaven gleich, der nur nach Schatten lechzt, dem Fröner, der um seinen Lohn sich sorgt.

Job 7:3 So hoffte ich auf Ruhemonde; da wurden Kummernächte mir zuteil.

Job 7:4 Und lege ich mich nieder, frage ich: 'Wann darf ich mich erheben?' Und zieht der Abend sich dahin, dann bin ich satt von Unrast bis zur Nachtzeit.

Job 7:5 Mein Körper kleidet sich in Fäulnis, in erdige Kruste, und meine Haut vernarbt und wird dann wieder flüssig.

Job 7:6 Weit schneller fliegen meine Tage hin als Weberschiffchen. Sie schwinden ohne Hoffnung hin.

Job 7:7 Bedenke, daß ein Hauch mein Leben! Nie schaut mein Auge wieder Gutes.

Job 7:8 Wer später nach mir schaut, des Auge sieht mich nimmer. Mich suchen deine Augen; ich bin nicht mehr.

Job 7:9 Die Wolke schwindet und zergeht, Und wer zum Totenreiche steigt, der kommt nicht mehr herauf.

Job 7:10 Nie kehrt er wieder in sein Haus, und seine Heimat sieht ihn niemals mehr.

Job 7:11 So will ich meinen Mund nicht hemmen, nein, aussprechen, was mir das Herz beklemmt. Ich rede so in meiner Seele Bitternis:

Job 7:12 'Bin ich ein Meer, bin ich ein Ungeheuer, daß Du Schlaflosigkeit mir auferlegst?'

Job 7:13 Ich denke, daß mein Bett mich tröstete und daß mit mir mein Lager trüge auch mein Leid.

Job 7:14 Da scheuchst Du mich durch wirre Träume auf; durch Angstgestalten schreckst Du mich.

Job 7:15 Erwürgung, Sterben hätte meine Seele lieber als diese meine Schmerzen.

Job 7:16 Ich habe es jetzt aufgegeben, immerfort zu]eben. Laß ab von mir! Denn meine Tage sind ein Hauch.

Job 7:17 Was ist der Mensch für Dich denn Großes, daß Du Dich so mit ihm befassest,

Job 7:18 ihn untersuchst an jedem Morgen, in jedem Augenblick ihn prüfest?

Job 7:19 Wie lange ist's, daß Du den Blick nicht von mir wendest, mir keine Ruhe lässest, bis ich nur meinen Speichel schluckte?

Job 7:20 Und habe ich gesündigt, was tu ich Dir damit, Du Menschenwächter? Was machst Du mich für Dich zur Scheibe? Weswegen diene ich zum Ziele Dir?

Job 7:21 Kannst Du mir nicht verzeihen, hingehen lassen meine Schuld? Dann läge ich gar bald im Staube, und suchtest Du mich auf, ich wäre nimmermehr."